„Halt! Stopp!“
Bea Brokkoli streckte die Kelle hoch in die Luft. Gerade noch rechtzeitig. Der kleine Hans Haferwurzel blieb mit großen Augen am Straßenrand stehen.
„Puh“, flüsterte Emil Erbse. „Das war knapp.“
Bea und Emil waren heute Schülerlotsen. Sie trugen leuchtend gelbe Westen und brachten die kleinen Gemüsekinder sicher über die Straße zur Schule. Eigentlich machte das großen Spaß. Doch heute stimmte etwas nicht.
Emil runzelte die Stirn. „Bea, schau dir das Schild an.“
Bea drehte sich um. Das Schild, das zur Schule zeigen sollte, zeigte in die falsche Richtung. Genau in Richtung Straße.
„Deshalb wäre Hans fast falsch gelaufen“, sagte Bea leise. „Das Schild ist verdreht.“
Nach der Schule schauten sich die beiden genauer um. Und sie bekamen einen Schreck. Nicht nur ein Schild war verdreht. Überall im Dorf zeigten Schilder in die falsche Richtung.
„Das ist kein Zufall“, sagte Emil. „Das hat jemand mit Absicht gemacht.“
„Aber wer macht so etwas?“, fragte Bea. „Und warum?“
Die beiden Detektive begannen sofort zu fragen. Karla Karotte, die früh in ihrem Garten arbeitete, überlegte lange.
„Gestern Abend“, sagte sie, „habe ich jemanden bei den Schildern gesehen. Es war schon dunkel. Aber die Gestalt war groß.“
Auch Fritz Fisole hatte etwas bemerkt. „Ich habe spät noch trainiert“, erzählte er. „Da klang es, als würde jemand mit Werkzeug klappern. Aber gesehen habe ich niemanden.“
Bea und Emil schauten sich an. „Wir müssen den Schildverdreher fangen“, sagte Emil. „Heute Nacht halten wir Wache.“
Als es dunkel wurde, versteckten sich Bea und Emil hinter einem Busch. Sie warteten. Und warteten. Die Blätter raschelten im Wind. Eine Eule rief. Aber niemand kam.
Emils Augen wurden schwer. Beas Kopf sank langsam zur Seite. Beide waren eingeschlafen.
Als sie am Morgen aufwachten, zeigten schon wieder zwei neue Schilder in die falsche Richtung.
„Oh nein“, stöhnte Emil. „Wir haben ihn verpasst!“
Bea ließ den Kopf hängen. Doch dann richtete sie sich auf. „Dann eben heute Nacht noch einmal“, sagte sie. „Aber diesmal essen wir vorher etwas, damit wir wach bleiben. Und wir wechseln uns mit dem Wachen ab.“
In der zweiten Nacht passten sie besser auf. Bea kniff sich in die Wange, wenn sie müde wurde. Emil zählte leise die Sterne.
Da – ein leises Knirschen im Gras. Schritte. Dann ein Klirren von Metall.
Eine dunkle Gestalt schlich zu einem Schild und begann, daran zu drehen.
Bea und Emil sprangen aus ihrem Versteck.
„Halt! Wer bist du?“, rief Emil mutig.
Die Gestalt erschrak und ließ das Schild los. Langsam drehte sie sich um. Es war Gernot Gartenkresse.
„Gernot?“, riefen beide überrascht.
Gernot schaute verlegen zu Boden. „Ich wollte doch nur einen Streich spielen“, murmelte er. „Ich dachte, das ist lustig.“
„Lustig?“, sagte Bea ernst. „Heute Morgen wäre Hans fast auf die Straße gelaufen. Wegen eines verdrehten Schildes.“
Gernot wurde ganz still. „Das… das wollte ich nicht“, flüsterte er. „Es tut mir wirklich leid.“
„Dann zeig es uns“, sagte Emil. „Hilf uns, alle Schilder wieder richtig zu stellen.“
Am nächsten Morgen arbeitete Gernot so fleißig wie nie. Schild für Schild stellte er gerade. Bea und Emil halfen ihm. Und als alles fertig war, stellte sich Gernot vor die anderen Gemüsekinder.
„Ich habe die Schilder verdreht“, sagte er. „Das war gefährlich, und das tut mir leid. So einen Streich mache ich nie wieder.“
Die Kinder nickten. Sie merkten, dass Gernot es ehrlich meinte.
An diesem Tag brachten Bea und Emil alle Kinder besonders stolz über die Straße. Jedes Schild zeigte genau dorthin, wo es hingehörte.
Hans Haferwurzel drehte sich noch einmal um. „Danke, dass ihr aufgepasst habt!“, rief er und winkte.
Bea und Emil winkten zurück. „Dafür sind Schülerlotsen ja da“, sagte Bea lächelnd.
Ende
