Als Bea Brokkoli am Morgen die Augen aufschlug, stimmte etwas nicht.
Sie blinzelte. Sie rieb sich die Augen. Aber es half nichts: Alles war grau. Der Himmel, die Felder, die Blumen. Sogar ihr rosa T-Shirt war grau wie eine Regenwolke.
„Emil!“, rief sie. „Komm schnell! Die Farben sind weg!“
Emil Erbse kam aus dem Haus und blieb stehen. Sein Mund klappte auf. Das ganze Gemüseland war grau. Kein Rot, kein Grün, kein Gelb. Nichts.
„Wer stiehlt denn alle Farben?“, flüsterte Emil.
„Das finden wir heraus“, sagte Bea. „Komm!“
Die beiden Detektive liefen los. Zuerst zu Rudi Rotkohl. Seine prächtigen Kürbisse waren grau wie alte Steine.
„Ich bin aufgewacht, und alles war so“, sagte Rudi traurig. „Ich verstehe es nicht.“
Weiter zum Marktplatz, zu Tom Tomate. Seine roten Tomaten sahen aus wie graue Murmeln.
„Gestern Abend habe ich etwas gesehen“, sagte Tom leise. „Eine dunkle Gestalt mit einem großen Sack. Sie ging in den Wald.“
Bea und Emil schauten sich an. „In den Wald“, sagte Bea. „Dann gehen wir in den Wald.“
Der Wald war still und grau. Die beiden folgten den Spuren zwischen den Bäumen. Tiefer und tiefer. Bis sie vor einer alten Hütte standen.
Vorsichtig drückten sie die Tür auf. Drinnen war es dunkel. Auf einem Regal standen viele Flaschen. Und in den Flaschen – da war es! Das Rot, das Grün, das Gelb, das Blau. Alle Farben des Gemüselandes.
„Da sind sie!“, flüsterte Emil.
„So, so. Schnüffler in meiner Hütte.“
Bea und Emil fuhren herum. Hinter ihnen stand eine große, dunkle Gestalt. Sie zog ihre Kapuze zurück. Es war Dr. Dunkel.
„Ich habe die Farben gestohlen“, sagte er und grinste fies. „Jetzt ist alles grau und traurig. Genau, wie ich es mag.“
„Das lassen wir nicht zu!“, rief Bea und schnappte sich den Sack mit den Flaschen.
„Gib das her!“, knurrte Dr. Dunkel.
Doch Bea hielt den Sack fest und rannte zur Tür. Emil hinterher. Und dann begann eine wilde Jagd. Durch den Wald, über Wurzeln, um Bäume herum.
„Schnell, Bea, er holt auf!“, keuchte Emil.
Dr. Dunkel war groß und machte weite Schritte. Fast hatte er sie. Doch da hatte Emil eine Idee.
„Bea, wirf mir den Sack zu!“
Bea warf, Emil fing. Dr. Dunkel drehte sich überrascht um – und stolperte über eine Wurzel. Platsch! Da lag er im Matsch.
Bea und Emil rannten ohne Pause weiter, zurück bis zum Marktplatz. Dort warteten schon die anderen Gemüse.
„Wir haben die Farben!“, rief Bea außer Atem.
Schnell öffneten sie die Flaschen. Und etwas Wunderbares geschah. Aus jeder Flasche sprudelte Farbe. Rot floss über die Tomaten. Grün über die Blätter. Orange über die Kürbisse. Das ganze Gemüseland leuchtete wieder in seinen schönsten Farben.
Die Gemüse jubelten und tanzten. „Ihr habt uns die Farben zurückgebracht!“, rief Rudi.
„Gemeinsam sind wir stark“, sagte Bea und lächelte.
Tief im grauen Wald aber rappelte sich Dr. Dunkel aus dem Matsch. Er schüttelte die Faust und murmelte: „Das war noch nicht das letzte Mal, ihr Schnüffler!“
Doch davon wussten Bea und Emil nichts. Sie feierten mit ihren Freunden im buntesten Gemüseland der Welt.
Ende
